Minga

Single, Minga!

21.11.2011

Mein Facebook fragt mich jeden Morgen unweigerlich auf’s Neue in einem kleinen Werbekasten:

 

„Wieso bist du Single? Jetzt den Traumpartner finden“

 

Dann kommt ein Link zu einer Partnerbörse. Die teuflischste Erfindung seit der Atombombe! Denn sie macht Menschen kaputt und demontiert sie zu unausgefüllten Hälften, die nicht glücklich sein dürfen!

 

Was ist in unserer Welt nur schief gelaufen, dass wir inzwischen nicht mehr als normal oder vollwertig gelten, wenn wir nicht dauernd einen Partner haben, oder sofort einen suchen, sobald der alte weg ist. 

 

Single sein ist offensichtlich keine Lebensweise mehr, sondern der unzumutbare Übergang zwischen zwei Beziehungen. Versteht mich nicht falsch – Beziehungen sind was wunderbares, wenn sie funktionieren und beide Partner erheben. Aber wäre die richtige Reihenfolge nicht eher: Man findet einen Partner und so ergibt sich ganz natürlich eine Beziehung. In der heutigen Welt ist es anders herum. Du brauchst eine Beziehung, also suche möglichst schnell einen Partner dafür. Je eher du was einigermaßen Passendes findest, desto besser. Das kann doch im Normalfall nicht funktionieren oder?

 

Warum tappen dann doch so viele in die Beziehungsfalle? Weil Menschen alleine offensichtlich nicht mehr mit sich klar kommen. Sie sind zu sehr beschäftigt mit dem RTL-Programm, bei dem ein Bauer seine Frau sucht. Anstatt, dass die Menschen mit ihren Komplexen und Problemen arbeiten, suchen sie sich einen Partner, mit dem sie eine Beziehung eingehen, projizieren den ganzen Quatsch auf ihn, machen den Deckel drauf und lassen die Scheiße vor sich hin kochen. Irgendwann läuft’s dann über, man wirft alles aus dem Topf und sucht sich eine neue Beziehung, bei der alles wieder von vorne losgeht.

 

Kann es vielleicht sein, dass es deshalb so viele kaputte Partnerschaften und zwischenmenschliche Probleme gibt, weil keiner mehr mit sich selbst klarkommt? Ich bin es leid, in jedes Mal eine organisatorische Meisterleistung durchzuführen, für die ich eigentlich einen Eventmanager bräuchte, wenn ich ein Advents-, Geburtstags- oder Grilltreffen mit Freunden plane, weil es immer wieder zu Konstellationen kommt, in denen 2 Leute sich einfach nicht mehr ertragen, weil sie ihre Probleme durch das kochende Wasser einer Beziehung gezogen haben und jetzt absolut keine Toleranz mehr für einander haben.

 

Warum nicht einfach mal 2 Jahre glücklich mit sich selber sein. Lernen, abends mit sich selber auszukommen. Lernen, einen Sonntag mit Denken und nicht mit Ablenken zu verbringen. Zu erkennen, wo die eigenen Schwächen und Themen liegen und daran arbeiten – anstatt jemand anderes diesen Judas-Dienst machen zu lassen, den man nach 2 Jahren dafür erschießen möchte.

 

Wenn man für persönliches Glück eine Partnerschaft braucht, dann gibt man das eigene Lebensglück ja praktisch aus der Hand. Kein Wunder, dass mit jeder Trennung dann die eigene Welt zusammen bricht. Außerdem könnte und wollte ich gar nicht mit einem Partner zusammen kommen, bei dem ich die Verantwortung für sein Glück hätte. Wie kann ich jemandem versprechen, dass ich ihn für immer Liebe, wenn ich noch nicht mal weiß, was ich heute zum Abendesssen will?

 

Vielleicht regt es euch ja auch mal zum Denken an, wenn man sich überlegt, dass unsere Gesellschaft uns als Individuum gar nicht mehr akzeptiert. Ich bin Single, ich bin so komplett und ich habe keine Lust, dass Facebook mir immer wieder sagt, dass da was nicht stimmt. Was ist nur aus Minga, der Single-Hauptstadt geworden?

 

Euer MaxEmanuel

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