Minga

Ein-Decken/Drei-Arm Paradoxon, Minga!

Ein-Decken/Drei-Arm Paradoxon, Minga!
29.08.2010

Manche Probleme kennt wirklich jeder, der in einer Beziehung ist. Wie das Problem, wer den Müll raus bringt. Darüber werden wir streiten, so lange unsere Geschicklichkeit und die Gravitation es ermöglichen werden, einen Joghurtbecher artistisch auf der Mülleimerspitze zu balancieren. Das andere Problem, vor dem natürlich auch wir Münchner nicht gefeit sind, ist das verfluchte „Ein-Decken/Drei-Arm“ Paradoxon.

Ich bin überhaupt erst auf dieses Thema gekommen, weil ein guter Freund von mir Besuch von seiner Freundin aus Berlin bekommen hat. Nun ist das Problem bei Fernbeziehungen und Paaren, die nicht zusammen wohnen, dass man kein gemeinsames Bett hat, sondern jeder jeweils im Bett des Anderen „mit schläft“, je nach dem, welcher der Beiden gerade der Gast ist.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Variante Eins: Jeder Bekommt seine eigene Decke. Damit sind Revierstreitigkeiten ausgeschlossen, beide können sich nach belieben zudecken und in Ruhe schlafen. Variante Zwei: Man belässt es bei der einen Decke, die man ja eh im Bett hat. Damit wird jedoch immer eine Verkettung unangenehmer Probleme in Gang gesetzt – wie Fußkriege um die Vorherrschaft im unteren Teil der Decke oder Doppelrolldrehungen: Wenn man sich mit Decke in der Hand um die eigene Achse dreht und damit den Partner wie ein Jojo auf der andern Seite simultan aus der Drecke raus dreht, wobei dann meistens der Rücken frei liegt. Männern ist so was eher egal, Frauen argumentieren jedoch sehr schnell mit ihrer drohenden Blasen- oder Nierenentzündung, die praktisch schon im Anmarsch ist. Dieser platzbegründete Ärger lässt sich jedoch ganz gut vermeiden. Durch das bewährte Aneinanderkuscheln. Genau das, was man ja sowieso gerne macht, wenn man frisch verliebt ist und/oder eine Fernbeziehung führt. Beide Partner schlingen sich ineinander, bilden sozusagen eine Deckensymbiose und vereinen sich leidenschaftlich als ein Ganzes unter einer gemeinsamen Decke. So weit ein Guter Plan, würde in diesem Fall nicht immer das „Ein-Drecken/Drei-Arm“ Paradoxon greifen. Wenn man unter einer Decke verschlungen ist, ist immer ein Arm zu viel vorhanden. Egal, was man macht, oder wie man sich legt. Ein gottverdammter Arm gehört immer nicht da hin, wo wer sich anatomisch nun mal befindet. Evolutionär ist gar nicht erklärbar, wie etwas dem Beischlaf so kontraproduktives entstehen konnte. Es ist im Grunde das beste Argument gegen die Evolution, nur kommt der Papst da nicht drauf, weil er ja nicht ficken darf. Die Frage ob Päpste kuscheln dürfen, klären wir ein anders Mal.

So, nun dreht man sich also auf seine Linke Seite und wendet dem Partner löffelchenmäßig den Rücken zu. Das Funktioniert. Wir haben unsere Körper der Problematik des Armliegens angepasst und kommen wunderbar damit klar. Jetzt liegt der Partner aber auch linksseitig, kuschelt sich mit dem Bauch an uns heran und stellt fest: Ab einer bestimmten Distanz, wird der unten liegende Arm immer zu einem riesen Problem. Obenrum ist alles super, der freie Arm wird über die Schulter oder das Becken des Andern geworfen und kommt dort perfekt zur Ruhe. Aber dieser verdammte untere Arm! Wohin mit ihm? Irgendwann kommt der Moment, in dem man ihn sich am liebsten abbeißen will. Dann dreht man sich irgendwann entnervt, mit der Decke in der Hand um, liegt rechtseitig, erwartet, dass der andre Partner, der gerade aus seinem Teil der Decke simultanentrollt wurde, jetzt anpasst und das Löffelchen macht. Nur in genau dem Moment schießt es ihm durch den Kopf: „Verdammt, wohin denn jetzt mit dem Arm. Scheiße!“ Irgendwann vergeht einem der Beiden die Lust auf den eingeschlafenen Arm und deshalb wird der andere geweckt und zum Sex verführt. Vielleicht ist es Evolutionär doch nicht so absurd, dass es das Paradoxon gibt. Es hält die Leute vom unreproduktiven Kuscheln ab und bringt sie zum Bumsen. Deshalb gibt es auch so wenige ein-armige Menschen. Weil die Ein-Armigen immer Kuscheln können und nie ficken müssen.

Aber zurück zum Problem mit der Decke. Wir sind uns einig: Eine Decke bringt auf die Dauer nur Scherereien. Doch es ist auch nicht ganz Unproblematisch, in einer Beziehung den Moment zu finden, in dem man auf den Zwei-Decken-Schlaf wechselt. Da ist höchste Vorsicht geboten! Denn im Grunde müssen sich beide Partner gleichzeitig im klaren sein, dass ihre Liebe nichts erschüttert und es für den Schlaf an sich einfach besser ist, zwei Decken zu haben. Schlägt einer der beiden den Wechsel zu früh vor, wird die Beziehung in eine nicht endend wollende Reihe besonderer Krise gestürzt. Nämlich die „Nerve ich dich etwa?“-Krise gefolgt von der „Liebst du mich nicht mehr?“-Krise und der „Bist du mit dem Sex unzufrieden?“-Krise, die unweigerlich zu der „Liegt es an mir? Hast du dich in jemand anderen verliebt?“ Krise führt. Deshalb mein Rat an dieser Stelle: Egal wen ihr trefft und ob es nun die große Liebe auf dem ersten Blick ist, oder ein vermeintlicher One-Night-Stand: Bitte habt immer eine zweite Decke neben dem Bett parat, die ihr sofort raus holt und bereitlegt, falls jemand über Nacht bleibt. Oder hackt euch eine Hand ab. Sonst wird euch das „Ein-Decken/Drei-Arm“ Paradoxon in alle Ewigkeit verfolgen. Oder nehmt euch an Beispiel an mir und umgeht das Problem folgendermaßen: Ich bin Single, hab ein Bett, eine Decke und mich als einzige Person darin und wenn ich Liebe haben will, dann liebe ich einfach mein Minga. Das hat gar keine Arme und rollt mich auch nicht aus der Decke raus.

Euer MaxEmanuel

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