Schland, Minga!
Ich liebe Überraschungen!!! Vermutlich erwartet jeder, der diesen Blog aufmerksam verfolgt, dass ich mich jetzt über Vuvuzelas und Rote Karten aufregen werde. Weil: Es ist ja WM und die Tröten gehen allen auf den Geist, noch dazu, wenn sie Klose vom Platz verabschieden. Aber da ich ja Überraschungen liebe, springe ich nicht auf den Zug auf. Nein, ich rege mich nicht über die Tröten auf. Ich finde Vuvuzelas ganz wunderbar und freue mich, dass die Südafrikaner ihrer WM dadurch etwas ganze Besonderes verleihen! Gut, es ist das besondere Geräusch eines drei Quadratkilometer großen Bienenschwarms, gepfercht in einen D-Zug, der auf einen zurast, aber – und da kann keiner widersprechen – es ist etwas ganz Besonderes! Und ich finde es dermaßen arrogant und anmaßend von uns, dass wir uns einbilden, wir sollten die Dinger in Afrika verbieten lassen. Wer sind wir denn, dass wir den Afrikanern sagen, was sie in ihren mühevoll gebauten Stadien machen sollen? Die Afris trommeln und tröten und tanzen doch schon immer. Das ist ihre Kultur und das ist doch auch das, was wir lahmen Europäer an Afrika so mögen. Die haben den Rhythmus im Blut, während wir in der Disco in der Ecke stehen und uns schon als kleinen Fred Astaire sehen, wenn wir mit der Cola in der Hand den Kopf zum Takt der Musik wippen lassen. Afrika ist nun mal laut, lustig, schnackselt den ganzen Tag, führt witzige Bürgerkriege und betriebt hin und wieder einen schönen, lauten, brummenden Völkermord. Warum sollten wir uns da das Gehirn über ihre Vuvuzelas zermatern. Das ist nicht unsere Sache. Denn offensichtlich interessieren uns ihre andren Machenschaften auch nicht besonders. Gut bis auf die Sache mit dem Schnackseln. Die interessiert uns natürlich. Vor allem, aufgrund unseres Penisneides, da Afrikaner an sich ja eher imposante Dödel in ihrer Hose mitschleppen, aber auch aufgrund der günstigen Nutten und deren weltweiten Hauptexport in Form des HI-Virus. Mal ganz davon abgesehen: Wenn wir so großen Wert auf unserer freie Meinungsäußerung legen, dann sollten wir den Anderen das auch zu gestehen. Selbst, wenn das über Tröten passiert, die uns auf den Sack gehen.
Aber, wie schon gesagt, es ist nicht unsere Sache. Die WM wurde an Südafrika vergeben, und wir hätten uns vor vier Jahren ja auch aufgeregt, wenn man uns die Lederhose im Stadion verboten hätte, weil irgendwelche neuseeländischen Tierschützer das Leder als persönlicher Angriff auf ihre Lebensweise empfunden hätten.
Außerdem habe ich mich ja entschlossen, heute mal was Positives zu schreiben. Und das trotz unserer Niederlage gegen Serbien. Warum? Wegen einer faszinierenden Sache, die uns die Sportfreunde Stiller schon vor vier Jahren näher gebracht haben. Die heilige Mathematik der Fußball-WM. Das schöne an Mathematik ist, dass sie etwas sehr absolutes und unanfechtbares hat. 1+1 = 2. Da kann keiner was dagegen sagen. Und wenn die Sportis bei jedem Interview zu ihrem Song: „54, 74, 90, 2006“ erklärt haben, dass 54x74-1990 doch ganz klar 2006 ergibt, war das so präzise, unbestechlich und klar, dass wir alle schon im Siegestaumel waren. Anscheinend haben auch alle daran geglaubt, außer die Sportis selbst, denn kaum waren wir nicht mehr im Rennen, hatten sie auch schon die neue Version des Songs mit der „2010“-Alternative parat.
Dieses Jahr scheinen die Zahlen aber wirklich auf unserer Seite zu sein. Während wir 2006 noch auf die völlig unnatürliche Multiplikation zurückreifen mussten, die sowieso keiner von uns ohne Taschenrechner verstanden hätte, haben wir dieses Jahr den Luxus, uns auf einfache Plus- und Minus-Rechnung verlassen zu können. Das kriegt jeder noch hin: 1990+1974-1954 = 2010. Herrlich, oder? Das ist so bestechend einfach, klar und unmissverständlich, dass die Götter, die unsere Welt in so perfekter Symmetrie und Mathematik geplant haben, genau wissen mussten, was passieren wird. Eigentlich kann dieses Jahr einfach nichts schief gehen.
Aber nicht nur die Sportfreunde beschäftigen sich mit Fußball-Mathematik, auch der Dortmunder Physiker Metin Tolan hat eine WM-Formel entwickelt, die sogar den klügsten Menschen beweisen soll, warum wir dieses Jahr die WM rocken. Leider bin ich viel zu dumm, um diese Formel zu kapieren, ihr seid es vermutlich auch, aber lasst uns daran nicht verzweifeln und trotzdem einen Blick darauf werfen. Also, Herr Tolan meint folgendes:
P(n) = (Pm+1/2)+(Pm-1/2) *cos(2*Pi*n/N)
P(n) = Platzierung bei der n-ten WM
Pm = Mittlere Platzierung bei allen vorherigen WM = 3,7
N = Periode starker deutscher WM-Teams = 4,5
Pi = Kreiszahl = 3,14…
cos = Cosinusfunktion
Na, hab ich zu viel versprochen? Daran verzweifeln auch wir Münchner. Also, lassen wir sie uns erklären. Im Groben bedeutet das da oben Folgendes: Wie bei einer guten Laola-Welle gibt es auch im Fußball ein regelmäßiges Auf und Ab. 1938, 1962, 1978 und 1998 waren ziemlich scheiße für uns, wohingegen wir 1954, 1974 und 1990 bekannter maßen gewonnen und allen den Arsch versohlt haben. Daraus lernen wir, dass Deutschland alle vier bis fünf WM-Endrunden super ist. Angewandt auf die Formel ergibt das – und jetzt lassen wir mal den ganzen Mist weg, den wir nicht verstehen – 2010 sind wir wieder dran, das Universum will es so. Yeah!
Zum Schluss sei hier noch erwähnt, was mir im Trubel der WM besonders gefallen hat und auf keinen Fall untergehen sollte. Christiano Ronaldo hat in einem Interview erzählt, dass er seinen Po rasiert, um so noch Stromlinienförmiger zu sein. Mein Gott, was für ein schöner Gedanke, oder? Ich würde nur zu gerne sehen, wie Christiano Ronaldo sich in der Mannschaftsdusche von Pepe den Po rasieren lässt. Mit diesem Bild entlasse ich euch in die Woche, in der Hoffnung, dass wir die WM rocken, so wie das Universum, die Mathematik und Jesus uns das prophezeien. (Das mit Jesus ist erfunden, aber hey, in der Religion basiert jedes gute Dogma auf einer Erfindung)
Und wer sich jetzt ärgert, warum ich nicht, wie immer, noch eine Brücke nach München schlage, um festzustellen, warum wir unser Minga so lieben, der soll bitte mit der U6 nach Fröttmaning fahren und die Allianz Arena anschauen. Die bietet von Außen schon genug Gründe um unser Minga zu lieben!
Euer MaxEmanuel
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