Minga

Gut gebellt, Minga!

Gut gebellt, Minga!
15.11.2009

Dass München die schönste Stadt er Welt ist, ist uns allen klar. Aber München ist sogar dann noch die schönste Stadt der Welt, wenn wir auf allen Vieren laufen und ständig versuchen würden, uns an unseren eigenen Eiern zu lecken. Ja, die zu Recht völlig unbekannte Nischenzeitschrift „Dogs“ hat aufwändig und investigativ getestet, welche deutsche Stadt die Hundefreundlichste ist und wie nicht anders zu erwarten, hat München ganz klar Platz Eins belegt. Damit kann sich Herr Ude jetzt stolz den „Dogs Award 2010“ in die Vitrine stellen. (Warum der Preis für 2010 schon jetzt verliehen wurde, ist mir schleierhaft, vielleicht rechnen sie ja in Hundejahren)

Ist das nicht ein herrlicher Gedanke? Nicht nur wir Münchner genießen den Westpark und den Hofgarten! Sogar Lebensformen, die sabbern, ihrem eigenen Schwanz hinterherlaufen und es als den Sinn des Lebens sehen, Quietschenten zu apportieren, erkennen, dass wir auf dem tollsten Fleck der Erde leben!

Und ganz ehrlich, was gibt es Schöneres, als unter der Woche seine Mittagspause mal an der Isar zu verbringen und zu sehen, wie die Partnerbörse der Hartz-IV-Empfänger seine Wirkung demonstriert. Einfach mal um 11 Uhr vormittags mit einem süüüüüßen Hundi auf den Isarauen flanieren und sich von massenhaft arbeitslosen Herrchen und Frauchen die Vorzüge von Atika-Welpen erklären lassen. Die sind nämlich flauschige Engel in den eigenen vier Wänden, aber sobald sich irgend ein Mitarbeiter des Arbeitsamts näher als 100 Meter an das Herrchen wagt, werden sie zur reißenden Bestie, ähnlich dem Killer-Karnickel in „Die Ritter der Kokosnuss“.

Übrigens: Besonders Lob sprach der Chefredakteur von Dogs, der auf den bezaubernden Namen Thomas Niederste-Werbeck hört, dem Englischen Garten aus. Hier könnte der beste Freund des Menschen auf der Größe von 580 Fußballfeldern die Flora vollscheißen, ohne dass es irgendjemand stören würde. An dieser Stelle darf ich Einspruch erheben. Mich stört es erheblich, wenn ich sonntags meine neuen Prada-Schuhe ausführen will und dann alle drei Meter um einen riesigen Haufen Kacke kurven muss. Als ob das Pferdeäpfel-Bombardement nicht genug wäre. Es könnte zugegeben aber auch viel schlimmer sein und dass das nicht so ist, hat gerade im sauberen München auch einen guten Grund. Welchen?

Falls ihr euch mal wieder fragen solltet, warum euch in der Uni der Stuhl unterm Arsch weg bricht obwohl ihr einen Haufen Studiengebühren zahlt, hier die Antwort: Die Stadt kümmert sich rührend um die erstaunliche Menge Hundescheiße, die unsere geliebten Vierbeiner in die Welt setzten, indem sie allein im Englischen Garten beeindruckende 350 Tütenspender für gewissenhafte Kackeentsorgung unterhalten. Ich würde gerne mal unseren Münchner Mitbürger kennen lernen, dessen Aufgabe es ist, täglich wie ein Irrer durch Minga zu brettern und die ganzen Hundedrecktütenspender aufzufüllen. Ich würde mich vor ihn stellen, mein seligstes Grinsen aufsetzten und ihn fragen: „Und, was machst du so beruflich...?“

Aber auch da würde einem gescheiten Münchner sicher eine Antwort einfallen, zum Beispiel: „Filth-Intevention-Assistance-Manager“. Ja, wenn Leute es sich leisten können, mit Starbucks-Kaffee auf der Maximilianstraße zu flanieren, obwohl sie Hauptberuflich dafür verantwortlich sind, Hundescheiße vom Pflaster zu kratzen, damit wir sogar in Hundefragen Topadresse sind, dann weiß ich, warum ich hier wohne. Darum liebe ich mein Minga!

Euer MaxEmanuel

P.S. Tanzverbot, Tanzverbot, Tanzverbot! Was soll den das?! Kaum hat man uns mal wieder Halloween verdorben, nervt jetzt der ätzende Totensonntag. Ich habe das Gefühl, dass in unserer schönen Stadt mehr Interesse auf Hunde und Tote gelegt wird, als auf die Lebenden! Himmel, Arsch und Zwirn. Wir sind nicht hier, um Steuern zu zahlen und uns abends, sobald es dunkel wird, zuhause einzusperren, nur damit Hunde, Tote und die Pfarrer ihren Spaß haben! Ich musste am Samstag tatsächlich, um überhaupt auf eine Party zu kommen, einen Zettel unterschreiben, auf dem ich bestätige, dass ich heute Abend den Homosexuellen, die während des Nationalsozialismus umgekommen sind gedenke. Hey, ich gedenke wem ich will, wann ich es will! Ich lass mir doch nicht von irgendwelchen Pappenheimern vorschreiben, dass ich es am 15. November machen muss! Liebe Tote, ich hab euerer schon am Donnerstag gedacht, darf ich jetzt bitte wieder feiern? Danke. Alles, was ich dazu zu sagen habe, findet ihr zwei Blogeinträge weiter unten, unter: „Halt die Füße still, Minga!“

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